CD: Feldenkrais Im Kontext Embodiment & Kreativität 2

Die einzelnen ATM-Lektionen dieser Doppel-CD:

1.

Salamander 

(Bauchlage: Kopf und Knie aufeinander zu und voneinander weg / 37:59 min)

2.

Wirbel für Wirbel

Rückenlage: Wirbelsäule auf verschiedene Arten bewegen / 37:52)

3.

Kopf anheben

(Bauchlage: Kopf anheben / 38:32)

4.

Siebter Halswirbel

(Bauch- und Rückenlage, Oberkörper angehoben, auf Ellenbogen gestützt: Oberkörper heben und senken / 38:09)

Feldenkrais im Kontext. Mit der Reihe „im Kontext“ möchte ich den möglichen Verbindungen von Feldenkrais zu verschiedenen Bereichen unseres Denkens und Handelns, bzw. der psychologischen Forschung, mehr Raum geben: die Langversionen der einzelnen Lektionen, die Ihnen als Käufer dieser CD kostenlos als MP3-Download zur Verfügung stehen, werden ausführlichere Hintergrundkommentare bieten und bisweilen auch insgesamt länger sein (deutlich über eine Stunde). Die beiden ersten CDs dieser Reihe beschäftigen sich mit dem Thema „Embodiment“. Die Bewegungen der beiden Doppel-CDs (E & K 1+2)  bauen nicht (!) aufeinander auf, können also vollkommen unabhängig voneinander benützt werden. Was die Hintergrundkommentare angeht, macht die Reihenfolge möglicherweise etwas Sinn, da sie die Abfolge meiner Untersuchung (siehe unten) widerspiegelt. 

Embodiment. Auf der Suche nach Erklärungen für die Funktionsweise unseres Denkens gingen Psychologen und Kognitionsforscher lange Zeit von einer strikten Trennung in unserem Gehirn aus: Abstrakte Prozesse wie das Denken auf der einen Seite, Verarbeitung von Reizen, die vom Körper kommen oder seiner Bewegungssteuerung dienen, auf der anderen Seite. Dem gegenüber zeichnen eine wachsende Anzahl von Untersuchungen der letzten Jahre ein anderes Bild: vieles spricht für eine enge Verbindung unseres Denkens mit unseren Bewegungen. Vertreter dieser „Embodiment“-Idee sehen Kognition (Denken) als etwas, das ganz wesentlich an einen Körper gebunden ist, welcher sich durch eine bestimmte Umgebung bewegt und dabei mit dieser interagiert. Ein anschauliches Beispiel liefern hier die Forschungen von Friedemann Pulvermüller. In einem typischen Experiment präsentiert er seinen Versuchspersonen Begriffe, die eine ganz bestimmte Handlung (Bewegung) repräsentieren, während gleichzeitig die Gehirnaktivitäten der Probanden aufgezeichnet werden. Als Beispiel hören englisch sprechende Versuchspersonen die Worte lick, pick und kick (dt.: lecken, greifen, treten). Erstaunlicherweise zeigt sich dabei nicht nur eine Aktivität in typischen Hörarealen (Wernicke-Zentrum), sondern auch im motorischen Cortex und zwar sehr differenziert: Mund/Zunge bei lick, Hand bei pick oder Bein bei kick.

Studie: Flexiblere Bewegungen – flexibleres Denken? Vor diesem Hintergrund lässt sich überlegen, ob (oder wie) wir über den „Umweg“ der Bewegungen eventuell einen Einfluss auf unsere kognitiven Leistungen nehmen können? Dieser Frage bin ich 2014 mit einer Untersuchung im Rahmen meiner Masterarbeit an der Uni Innsbruck nachgegangen. Die vorliegende CD lässt Sie an den Bewegungen teilnehmen, welche die Grundlage meiner Untersuchung darstellten. Die CD-Version musste ich gezwungenermaßen etwas kürzen – Wenn Sie Interesse haben, schicke ich Ihnen auf Anfrage gern die Originalversionen als MP3-Dateien. Ausgangspunkt meiner Untersuchung war die Frage, ob ein spezielles Bewegungsprogramm wie die Feldenkrais-Methode eine oder mehrere Dimensionen der sogenannten höheren Funktionen beeinflusst? Konkret erfasst (oder „gemessen“) habe ich: (1) kognitive Flexibilität, (2) Kreativität, (3) Emotionswahrnehmung (Meta-Mood), (4) Körper- und Selbstbild. Zur Untersuchung der Faktoren 2,3,4 dienten erprobte Fragebögen, bei 1 kam eine Bildschirm/Computer-Aufgabe zur Anwendung: die Probanden mussten auf Zahlen und Buchstaben mit Knopfdruck reagieren und dabei einer vorgegebenen, aber immer wieder wechselnden Strategie folgen. Die Reaktionszeit und Akkuratheit in den Phasen des Strategiewechselns war hier das entscheidende Maß für die kognitive Flexibilität. Zwei Gruppen erhielten je acht Feldenkrais-Stunden, verteilt über acht Wochen. Vor und nach dem Ende des Programms absolvierten die Teilnehmer/innen verschiedene Tests, mit denen die oben genannten Faktoren erfasst wurden. Eine dritte (Kontroll)Gruppe nahm ebenfalls an beiden Terminen zur Datenerhebung teil – sie bekamen (erst) nach Abschluss der Untersuchung die Gelegenheit, dieselben Feldenkrais-Stunden auszuführen. Eine der beiden Bewegungsgruppen erhielt parallel zu den Bewegungsanweisungen zusätzliche Informationen (Metakommentare), die sich auf die vier Faktoren bezogen. Damit sollte überprüft werden, ob sich durch zusätzliche Informationen der erwartete Effekt noch steigern lässt. Die Bewegungsanleitung kam von einem eigens aufgenommenen Tonträger, so dass beide Gruppen identische Anweisungen erhielten. Die Resultate zeigten keine Unterschiede zwischen den Gruppen, bei keinem der vier Faktoren. Vor dem Hintergrund der vorliegenden Ergebnisse muss man sagen, dass ein Feldenkrais-Programm mit diesem Umfang (acht Unterrichtseinheiten, verteilt über acht Wochen) nicht in der Lage ist, Veränderungen bei der kognitiven Flexibilität, der Kreativität, der Emotionswahrnehmung (Meta-Mood), oder dem Selbstbild zu bewirken. Hier müssten weitere Untersuchungen klären, ob sich entsprechende Veränderungen bei einer Erhöhung der Unterrichtsintensität oder einer Verlängerung des Gesamtprogramms einstellen. Die Auswertung der subjektiven, selbsteingeschätzten Ergebnisse ergab übrigens ein durchaus positives Bild. Der Mehrheit der Teilnehmer/innen (rund 80 %) hat die Intervention insgesamt gefallen und rund 75 % waren der Meinung, dass sie durch die Intervention Impulse für ihre Bewegungen erhalten haben, immerhin gut die Hälfte fand das zusätzlich auch bei den Gedanken. Beobachten Sie nun selbst, welchen Einfluss die Lektionen auf Ihre kognitive Flexibilität, Ihre Kreativität, Ihre Emotionswahrnehmung und Ihr Körper- und Selbstbild haben. 

Auch diesemal gibt es neben der normalen CD-Version wieder eine Langversion jeder Feldenkrais-Lektion. In deisem Fall handelt es sich um die Originalanleitungen für meine Studie. Vor diesem Hintergrund sind die Lektionen deutlich länger als die CD-Versionen: 60 bis 75 Minuten. Sie bietet nicht nur etwas mehr Zeit zum Probieren, sondern auch die eine oder andere zusätzliche Bewegung und längere Metakommentare (weiterführende Gedanken). Sie können diese Langversionen als MP3-Datei für 4,00 Euro herunterladen. Käufer der dieser CD " erhalten die MP3-Datei auf Anfrage (martin@keep-on-moving.de) gratis.