Auf den ersten Blick ist eine FI-Lektion etwas völlig anderes wie eine ATM-Stunde. Während der Feldenkrais-Lehrer den Gruppenunterricht verbal leitet und dabei nur in Ausnahmefällen den Körperkontakt sucht, geschieht in der Einzelstunde genau das Gegenteil. Hier ist der Lehrer praktisch immer in Körperkontakt mit dem Schüler. Während der Schüler äußerlich passiv scheint, richtet sich seine Aufmerksamkeit auf jene Bewegungen, die der Lehrer (!) mit/an ihm ausführt.

So kann der Feldenkrais-Lehrer beispielsweise das Bein des auf dem Rücken liegenden Schülers in verschiedene Positionen heben. Dadurch hilft er dem Schüler (oder besser: seinem Nervensystem) deutlicher zu spüren, wie sich eine leicht vor oder zurück gebeugt Körperhaltung anfühlt und wann die Haltung so ausbalanciert ist, dass die Schwerkraft im Stehen durch ihn hindurchfließen kann. Diese Erfahrungen sind es, die die Haltung oder Bewegung des Schülers im Anschluss ganz von selbst (ein Beispiel für Selbstorganisation!) zu mehr Leichtigkeit führen.

Oft sind es gar keine Bewegungen, die der Lehrer ausführt, sondern nur Berührungen.

Doch machen wir uns klar, dass es dabei um keine Gymnastik oder Massage geht, sondern um eine Suchbewegung des Aufmerksamkeits-Scheinwerfers. Und dessen Lichtkegel leuchtet umso stärker, je kleiner die Bewegungen oder auch die Berührungen sind. Das erklärt auch, warum es während einer FI-Stunde gar nicht notwendig ist zu sprechen! So lassen sich mit der Feldenkrais-Methode bemerkenswerte Entwicklungen erzielen, bei schmerzhaften Bewegungsein-schränkungen ebenso wie bei Lähmungen oder neurologischen Beschwerden.

Bei genauerer Betrachtung erkennen wir, dass es sich bei ATM und FI im Prinzip um die gleiche Methode handelt. Ganz sicher verfolgen sie dasselbe Ziel, nämlich das Prüfen und Verändern von (Bewegungs)Gewohnheiten. Vielleicht eignen sich FI-Stunden besser, um Schmerzen und Bewegungsbeschwerden zu begegnen. Aber auch hier wird sich eine nachhaltige Besserung nur dann einstellen, wenn sich auch die Wahrnehmung ändert: Zu sehen, zu spüren, wo es wirklich ruckt, welche Gewohnheiten uns hindern und wie die Dinge zusammenhängen, nicht nur im Skelett.