Komplexität ist nicht (einfach) kompliziert, auch wenn wir umgangssprachlich unter beiden Begriffen mehr oder weniger dasselbe verstehen.

Jene Komplexität, mit der sich die verschiedensten naturwissenschaftlichen und technischen Fachrichtungen beschäftigen, ist charakterisiert durch ganz eigene Gesetzmäßigkeiten. So zwingt uns die Chaosforschung zur Einsicht, dass sehr einfache Zusammenhänge sich mitunter zu einem komplexen System entwickeln, während komplizierte das nicht unbedingt tun. Die Entwicklung komplizierter Systeme vorherzusagen, ist vielleicht viel Arbeit (die ein leistungsstarker Computer übernehmen kann) – bei komplexen Systemen ist das vom Prinzip her nicht möglich. Dafür sind komplexe Systeme in der Lage sich selbst zu organisieren, wobei sie im Chaos versinken oder auch etwas ganz Neues hervorbringen können. Hier spielt das Orchester ohne Dirigent.

Immer ist die Rede von Systemen: sie bestehen aus einer Vielzahl von Elementen oder Teilnehmern, die miteinander in Beziehung stehen. Das können die Moleküle in einer Flüssigkeit sein, die Elektronen im Laserstrahl oder die Planeten im Universum. Obwohl es sich dabei um so völlig verschiedene Systeme handelt, zeigen sich dieselben Muster auf dem Weg zur Veränderung oder Stabilität, zu Chaos oder Ordnung.

Natürlich drängt sich die Frage auf, was diese Erkenntnisse, die sich in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen bestätigen, für unser Denken und Handeln bedeuten. Anders gefragt: lassen sich jene charakteristischen Muster, die wir bei Molekülen, Elektronen und Planeten beobachten, auf die Gesellschaft und unseren persönlichen Alltag übertragen? Das führt uns zu den sozialen Systemen ...